Ende Januar beendet Ursula Dallner nach vielen Jahren den Mesnerdienst in der Abtswin-
der Marienkirche. In dieser Zeit hat sie viel erlebt, einiges davon erzählt sie hier im Interview.
Wir danken ihr für Ihr großes Engagement und wünschen ihr Gottes Segen!
Liebe Frau Dallner, wie ist es denn
2004 dazu gekommen, dass Sie Mes-
nerin in der Marienkirche geworden
sind?
Gefragt hat mich damals Pfarrer
Kastner. Ich war ja Pfarramtsse-
kretärin. Außerdem habe ich die
Gemeinderäume im 1. Stock sauber
gehalten. Ich konnte das dann nicht
mehr machen, weil ich sonst zu
viele Stunden gehabt hätte.
Was hat Ihnen besondere Freude am
Mesnerdienst gemacht?
Freude hat mir gemacht, dass ich
viel Zeit in meiner schönen Kir-
che verbracht habe. Der Umgang
mit den Konfis und Präpis hat mir
auch gefallen. Da habe ich als „alte
Frau“ so manche neue Denkweise
gelernt.
Ich bin zwar anders gläubig als
andere Abtswinder, aber die Nähe
zu meinem Himmelsvater hat mich
immer besonders berührt.
Gab es auch Situationen oder Er-
eignisse, die nicht so schön waren?
Es gab auch manche Sachen, die
mir nicht so gut gefallen haben,
aber das war nur der Umgang mit
einzelnen Mitchristen, die ständig
etwas zu beanstanden hatten. Da
wurden mir Dinge unterstellt, für
die ich überhaupt nichts konnte.
Aber das ist an mir abgeperlt.
Gab es auch lustige Begebenhei-
ten?
Lustige Begebenheiten gab es
auch. Eine Mutter hat mal zu
mir gesagt: Du wirst doch nicht
glauben, dass mein Sohn eine
Konfi-Kerze machen kann. Dabei
hat ihr Sohn dann die schönste
im Konfijahrgang gemacht!
Ein Täufling war friedlich, bis ihm
das Wasser auf den Kopf geträu-
felt werden sollte. Da weigerte
er sich mit den lauten Worten:
NEIN, NEIN!
Einmal war es zu einer
Adventsandacht eisig kalt.
Pfarrer Augustin und ich
hatten dann beschlossen,
dass wir, da wir nur zu dritt
waren, die Andacht ausfallen
lassen. Und was passiert: die
ältesten Damen waren mit
dem Fahrrad auf Glatteis zur
Kirche gefahren. Da hab ich
dann den Pfarrer angerufen,
dass er doch wieder kommen
müsste, weil acht Frauen sich
von Glatteis nicht abschre-
cken ließen.
Einmal bin ich auf der ersten
Bank gestanden und dann
mitsamt der Osterkerze in
den Pfarrstand gefallen. Die
Kerze und ich haben es unbe-
schädigt überstanden.
Und einmal haben welche
den großen Elefanten von der
Weihnachtskrippe entfernt
und auf der Kanzel versteckt.
Mesnern in einer Kirche ist ja nicht nur
die Kerzen anzünden und die Glocken
läuten. Können Sie uns einen (kurzen)
Einblick geben, was alles noch mit be-
dacht und getan werden muss?
Eine kleine Auswahl, was ich auch noch
gemacht habe: Blumen sammeln und
zu Gestecken und Kränzen verarbei-
ten. Unkraut um die Kirche herum entfernen. Vögel aus der Kirche
nach draußen lenken. Erbroche-
nes eines Konfis entfernen. In der
Zeit der Renovierung jeden Tag die
Kirche geputzt. Den Kirchenputz
vor der Konfirmation eingeteilt
und z.B. darauf geachtet, dass es
Sinn macht, mit dem Kirchenputz
oben anzufangen. Wenn einer das
Glockenläuten aufnehmen wollte,
bin ich dazu gekommen, ich habe
auch für die Wartung der Glocken
die Türen aufgesperrt. Morgens und
abends die Kirchentür auf- und
zugeschlossen. Bei Überführungen
geläutet.
Das war alles nur möglich, weil
mein Mann mich so unterstützt
hat, z.B. hat er die neuen Kerzen
auf die Ständer gesteckt und den
Christbaum aufgestellt und ge-
schmückt.
Den Gottesdienst mit der Verabschiedung von Ursula Dallner feiern
wir am 15. Februar (10.15 Uhr) in der Marienkirche. In diesem Gottes-
dienst singt auch der Kirchenchor und der Chor „Song of Joy“.
Es wäre doch schön, wenn viele Menschen aus der Gemeinde kämen,
um Frau Dallner nach so vielen Jahren würdig aus ihrem Dienst zu
verabschieden.
Den Mesnerdienst übernimmt künftig ein Mesnerteam: Traudi Krauß,
Christel Baumann, Maria Klarmann und Renate Fuchs. Die Vier haben
Frau Dallner schon seit einem Jahr unterstützt und sich in die Aufgabe
eingearbeitet. Vielen herzlichen Dank sagen wir auch dem Mesner-
team und wünschen ihnen dafür Gottes Segen!
