Tageslosung vom 29. Juni 2020

Daniel sprach:

Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat,

sodass sie mir kein Leid antun konnten.
(Daniel 6,23

 

Das hätte ins Auge gehen können: Ruckartig kommt mein PKW zum Stehen, mitten auf der Kreuzung. Silbergraues Blech pfeilt mit etwa 90 Stundenkilometern nur wenige Zentimeter an der Kühlerhaube meines Autos vorbei. Leichenblass schaue ich dem anderen Fahrzeug hinterher. Alles mein Fehler. Leichtfertig war ich auf die Kreuzung zugefahren, hohes Gras behinderte die Sicht nach rechts. Erst nach der Vollbremsung erkenne ich die Beinahe-Katastrophe. Ich kann mir nicht erklären, weshalb es zu keinem Crash kam. Da hat sich ein Engel mit seinem ganzen Gewicht auf das Bremspedal gestemmt! Jawohl, ein Engel! Der Neurologe wird sagen: „Von wegen. Der Panikimpuls blitzt halt viel schneller in deinen Fuß als in deine träge Wahrnehmung.“ Ich bleibe dabei: Ein Engel war im Spiel, denn dieser Moment brachte mich durcheinander wie sonst kaum etwas.

Das hätte ins Auge gehen können: Daniel in der Löwengrube. Ein Engel war`s: Er hielt den Löwen das Maul zu. Der Skeptiker ätzt: „Na, da hatten die Raubtiere halt Magenverstimmung.“ Wem die Angst noch in den Gliedern steckt, dem ist nicht nach billigen Sprüchen zu zumute, sondern bestaunt leichenblass die Rettung. Ein Engel war’s. Punkt.

Es gibt Momente, in denen du sprachlos bist und nur noch dem rettenden Engel danken kannst.

Engel waren im 20.Jahrhundert lange von der Bildfläche verschwunden. Der Rationalismus hatte sie aus den Kinderzimmern und Religionsbüchern vertrieben. In der Postmoderne kehrten die Engel wieder zurück; nach wie vor schweben sie auf der Esoterikwelle. Wie ist das eigentlich: muss man an Engel glauben? Nein. Christen glauben an den dreieinigen Gott. Aber Engel geben uns ein Bild für Gottes gute Mächte. Manche Menschen glauben an Engel, nicht aber an Gott. Vielleicht ist ihnen Gott eine Nummer zu groß, zu fern oder zu abstrakt. Viele Taufeltern kamen zu mir und auf ihrem Wunschzettel stand oft das Wort Engel. Dieser Wunsch ist ein guter Türöffner für die Liebe und Güte des dreieinigen Gottes.

Ich will es nicht übertreiben mit den Engeln, denn auch die beste Speise kann mal zu viel sein. Aber bei dieser Tageslosung schicke ich uns gern in den Tag mit Psalm 91,11: „Denn der hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“

Ihr Peter Schramm, Pfr. i.R.