Tageslosung vom 25. Juli

Gerechtigkeit führt zum Leben; aber dem Bösen nachjagen führt zum Tode.
Sprüche 11,19

 

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit;

denn sie sollen satt werden.
Matthäus 5,6

 

Eine Frage von Leben und Tod: gerecht oder ungerecht? Meine Mutter hat sich immer extrem angestrengt, alle vier Kinder gleich, also gerecht zu behandeln. Heute kommt mir das tatsächlich so vor, als wäre das für sie eine Frage von Leben und Tod. Inzwischen können wir (erwachsenen) Kinder uns darüber lustig machen, aber sicher nur deshalb, weil wir von klein auf gespürt haben, wie sehr ihr an Gerechtigkeit gelegen ist. Wir können uns darauf verlassen, dass sie für jeden von uns das Beste will. Vielleicht ist es diese Prägung, die in mir eine große Sensibilität für Ungerechtigkeiten angelegt hat. Dabei spüre ich - wie die meisten Menschen - vor allem immer genau, wann etwas ungerecht ist. Die Frage, was denn jetzt in dieser Situation gerecht wäre, lässt sich viel schwerer beantworten. Denn natürlich gibt es weit mehr Faktoren als die Größe eines Kuchenstücks, um bei der Verteilung über gerecht oder ungerecht entscheiden zu können.

Gerecht oder ungerecht? Eine Frage von Leben und Tod. Eine Frage des Überlebens. In der Ungerechtigkeit verhungert und verdurstet der Mensch. Seelisch, aber auch real.

Die Frage der Gerechtigkeit ist eine Frage des Überlebens. Eine Frage, die ich bei aller Komplexität genauso ernst nehmen möchte wie meine Mutter – in den kleinen, alltäglichen Dingen, aber auch in ihrer großen, weltwirtschaftlichen und politischen Dimension. Ich will sie nicht beiseite wischen, nur weil sie schwer zu beantworten ist und es in unserer Welt nie die absolute Gerechtigkeit geben wird.

Gerecht oder ungerecht? Eine Frage, die auch nach unserem Tod über die Frage von Leben und Tod entscheidet. Wie glücklich können wir uns als Gläubige schätzen, dass Gott uns am Ende unserer Tage nicht danach beurteilen wird, ob wir mehr oder weniger gerecht gehandelt haben. Gott will uns seine Gerechtigkeit schenken. „Ich mache dich gerecht“, sagt Gott und entscheidet für uns über Leben und Tod in Ewigkeit.

Pfarrerin Victoria Fleck, Zeilitzheim