Tageslosung vom 22. Juli

Gott tut große Dinge, die nicht zu erforschen,

und Wunder, die nicht zu zählen sind.

(Hiob 9,10)

 

Mit dem Reich Gottes ist es so,

wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag;

und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie.

Von selbst bringt die Erde Frucht.

(Markus 4,26-28)

 

Auch wenn Hiob sich in bitterem Leid und in schwerer Krankheit befand und Gottes Handeln an ihm nicht mehr verstehen konnte, beharrte er bei dieser Aussage gegenüber seinen Freunde, dass Gott große, unerforschbare Dinge tut und dass seine Wunder nicht zu zählen sind. Ob ich/wir das in einer solchen Lage so sagen könnte/n?

Eines steht dabei jedenfalls fest. Hiob spricht über die Seite Gottes, die uns Menschen verstandesmäßig niemals verstehbar ist. Martin Luther benennt diese Erscheinungsseite Gottes mit den lateinischen Begriffen „deus absconditus“= „der verborgene Gott“.

Wir können und dürfen durchaus unvorstellbar „große Dinge“ wie die Schöpfung der Welt als Gottes Werk glauben und verkündigen, wir können auch mit unserem Verstand sehr viele Erkenntnisse dazu gewinnen, aber letztlich muss die Frage für unseren Verstand immer offen bleiben, wie Gott alles geschaffen hat und noch erhält. Da ist auch die Grenze jeder Wissenschaft.

Und „Wunder?“ Ich denke, dass jeder Mensch schon einmal „Wunder erlebt“ hat, etwas, das er sich nicht erklären konnte, das er nicht verstehen und begreifen kann: In vielen Vokabeln finden wir eine Fülle von Formen des nahezu nicht Begreiflichen für den menschlichen Normalverstand: „wunderbar“, „wunderschön“, „sich wundern“, „da hilft nur noch ein Wunder“ u.v.a.

Die Wunder Gottes, wie sie Hiob versteht, übersteigen jegliches Maß des menschlichen Verstehens. Sie sind unzählbar, und das nicht nur für Hiob! Das gilt auch für uns Christen heute! Vielleicht dürfen wir besonders dankbar sein für ein Wunder Gottes, das uns sehr geholfen hat, das wir nicht mit unserem Menschenverstand begreifen. Vielleicht dürfen wir auch Gott für ein dauerhaftes Wunder in unserem Leben dankbar sein. Vielleicht fallen uns Wunder Gottes ein, die für ganze Völker gelten. Ein Beispiel kann für uns das Wunder der unblutigen Wiedervereinigung mit der ehemaligen DDR sein.

Das größte Wunder für uns aber ist die Liebe Gottes zu uns als seinen geliebten Kindern. Und zwar zu uns, so wie jeder geschaffen ist von ihm, unwichtig, ob Mann oder Frau, egal von welcher Hautfarbe, ob behindert oder nicht behindert, ob jung oder alt, ob arm oder reich, ob mit großer Karriere oder nicht. Sicher könnte man diese Liste noch weiter fortsetzten…

Diese unvorstellbare, wundervolle Liebe schenkt uns Gott alle Tage unseres Lebens, weil er seinen Sohn Jesus Christus für unsere Rettung und unser Heil in diese unsere Irdische Welt geschickt hat. Auch Jesus schenkt uns dadurch seine vollkommene Liebe: Er hat uns sündigen, und dadurch von unserem himmlischen Vater getrennten Menschen, durch seinen Kreuzestod und seine Auferstehung eine „wunderbare“ Chance geschaffen: Wir dürfen wieder Gottes geliebte Kinder sein oder werden und eine „wundervolle“ Beziehung zu ihm bekommen.

Wenn wir uns und unser Leben ganz Gott anvertrauen mit Worten und Taten, dann dürfen wir mit ihm verbunden sein – jetzt und in Ewigkeit. Um Christi willen, im  Heiligen Geist.

Mein eigener Konfirmationsspruch drückt das herrlich aus: „Sein – Gottes - Rat ist wunderbar und er führt es herrlich hinaus.“ (Jes.28,19)

Prädikantin Ursula Oeters M.A.