Tageslosung vom 20. Juli

Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns,

dass wir absagen dem gottlosen Wesen.

(Titus 2,11-12)

 

Der Apostel Paulus verbindet die „heilsame Gnade Gottes“ (Tit 2,1) mit unserer Taufe, „dem Bad der Wiedergeburt“ (vgl. Tit 3,4-6). Gottes „heilsame Gnade“ gilt uns nicht, weil wir irgendetwas vorzuweisen hätten, wodurch wir sie verdient hätten – Gott wendet sich uns vielmehr, zu, weil er uns liebt, obwohl wir durch die Sünde weder liebeswürdig noch liebenswert sind. Die heilsame Gnade Gottes gilt MIR – wie der Dichter Angelus Silesius ganz im Sinn der Bibel schreibt: „eh ich noch geschaffen war“. Sie gilt DIR, bevor du auch nur sprechen gelernt hast und sagen konntest: „Gott“. Sie gilt UNS, bevor wir ein einziges Werk der Liebe vollbracht hätten und sei es noch so unscheinbar, unbedeutend und klein wie etwa, dass das Kind am Muttertag das Geschirr spült. Seine Liebe gilt DIR – und er macht DICH selig durch das „Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes“. Das bedeutet: Durch die Taufe wirst DU neu neugeboren: Du wirst zum Gotteskind und empfängst den Heiligen Geist. Die heilsame Gnade Gottes, das Geschenk der Taufe, der Heilige Geist sind uns zwar gratis, aber sie sind uns nicht umsonst gegeben – sie drängen uns dazu, in unserem Leben Frucht zu bringen. Wir sollen das gottlose Wesen ablegen und sollen mit Gott, in Gott und für Gott leben. Wir sollen WERDEN, was wir SIND: Kinder Gottes.

Martin Luther hat über den „Werdegang“ des Christen gesagt:

Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind's noch nicht, wir werden's aber. Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg. Es glüht und glänzt noch nicht alles, es reinigt sich aber alles.

Pfarrer Martin Fromm, Rüdenhausen